Some people paint because they have mastered a craft.

Others paint because they simply cannot live without it.

Svitlana Biliavska belongs to the second kind.

 

She was born into a family of theatre actors and quite literally grew up behind the scenes. While her mother rehearsed or performed, three actresses from the theatre happily took turns looking after the little girl. As a child, she called each of them “Mother.”

She began painting almost as soon as she could walk. Stage make-up, her own fingers and the walls of the family home became her first canvas. Long before she learned any artistic rules, she had already discovered the joy of creating.

Everyone expected that she, too, would become an actress. Instead, her childhood became a meeting place for many forms of creativity—painting, poetry, music, dance and pantomime. Painting was simply one of the ways she breathed.

As a little girl she was fascinated by the bold black lines in magazine illustrations. She began drawing directly in ink. Fortunately, no one ever told her that artists were supposed to begin with pencil. By the age of fourteen, confident ink lines had already become one of her natural strengths.

At eighteen she entered the Academy of Fine Arts in Lviv, where she graduated five years later. Her professors affectionately nicknamed her “Professor Biliavska” because of her remarkable talent and exceptional dedication.

For the next decade she worked as a silk designer and book illustrator. Her silk creations travelled to exhibitions and fairs throughout Europe, Japan and the United States, while every free moment belonged to her own creative work.

After the fall of the Iron Curtain, she was invited to Germany for her first major solo exhibition. What was meant to be a short visit unexpectedly became two years of exhibitions, friendships and new experiences.

Yet Svitlana never planned her life according to a career. She simply followed the strongest inner call, even when it led away from success and towards the unknown.

That inner call had been quietly pointing towards India for many years.

When she finally arrived there, what had begun as a dream gradually became a way of life. Years spent studying Indian philosophy and meditation profoundly transformed both her life and her art.

Many of her paintings are not illustrations of the visible world but reflections of an inner one. Rather than depicting places or events, they explore silence, compassion, transformation and the quiet mystery of being alive, inviting the viewer into a more peaceful inner landscape.

From that time onward she also began signing many of her paintings with the name Radhika—the name by which she is known in India.

Throughout her life, Svitlana kept journals. Painting and her journals always travelled side by side—not as separate pursuits, but as two natural ways of preserving what life placed before her. Over the years those notebooks quietly grew into a collection of stories and poems, many of them walking hand in hand with her paintings. Sharing them with others came much later, simply because they belonged together.

Asked why she paints, she once answered:

“I do not paint because I can paint. I paint because I cannot not paint.”And perhaps nothing describes her work more truthfully than the simple words:

“I simply paint what comes from my heart.”

Compiled from conversations with the artist over several years

Manche Menschen malen, weil sie ein Handwerk erlernt haben.

Andere malen, weil sie schlicht nicht ohne das Malen leben können.

Svitlana Biliavska gehört zur zweiten Kategorie.

 

Sie wurde in eine Theaterfamilie hineingeboren und wuchs buchstäblich hinter den Kulissen auf. Während ihre Mutter probte oder auf der Bühne stand, kümmerten sich drei Schauspielerinnen des Theaters liebevoll im Wechsel um das kleine Mädchen. Als Kind nannte sie jede von ihnen „Mama“.

Sie begann zu malen, kaum dass sie laufen konnte. Bühnenschminke, ihre eigenen Finger und die Wände des Elternhauses wurden zu ihren ersten Leinwänden. Lange bevor sie irgendwelche künstlerischen Regeln kennenlernte, hatte sie bereits die Freude am schöpferischen Gestalten entdeckt.

Alle erwarteten, dass auch sie einmal Schauspielerin werden würde. Doch ihre Kindheit wurde zu einem Treffpunkt unterschiedlichster kreativer Ausdrucksformen – Malerei, Poesie, Musik, Tanz und Pantomime. Das Malen war einfach eine der Arten, wie sie atmete.

Schon als kleines Mädchen war sie fasziniert von den kräftigen schwarzen Linien in den Illustrationen von Zeitschriften. Sie begann sofort mit Tusche zu zeichnen. Zum Glück sagte ihr niemand, dass man als Künstler angeblich zuerst mit Bleistift beginnen müsse. Mit vierzehn Jahren gehörten sichere und ausdrucksstarke Tuschelinien bereits ganz selbstverständlich zu ihren Stärken.

Mit achtzehn Jahren begann sie ihr Studium an der Akademie der Bildenden Künste in Lwiw, das sie fünf Jahre später erfolgreich abschloss. Wegen ihres außergewöhnlichen Talents und ihrer bemerkenswerten Hingabe gaben ihr ihre Professoren liebevoll den Spitznamen „Professor Biliavska“.

In den folgenden zehn Jahren arbeitete sie als Seidenmalerin und Buchillustratorin. Ihre Seidenarbeiten wurden auf Ausstellungen und Messen in Europa, Japan und den USA gezeigt, während jede freie Minute ihrer eigenen künstlerischen Arbeit gehörte.

Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs wurde sie zu ihrer ersten großen Einzelausstellung nach Deutschland eingeladen. Was ursprünglich nur ein kurzer Aufenthalt werden sollte, entwickelte sich unerwartet zu zwei Jahren voller Ausstellungen, neuer Freundschaften und prägender Erfahrungen.

Doch Svitlana hat ihr Leben nie nach Karriereplänen ausgerichtet. Sie folgte stets der stärksten inneren Stimme – auch dann, wenn sie sie vom Erfolg weg und ins Unbekannte führte.

Diese innere Stimme hatte schon viele Jahre lang leise in Richtung Indien gewiesen.

Als sie schließlich dort ankam, wurde aus einem lang gehegten Traum nach und nach eine Lebensweise. Die Jahre des Studiums der indischen Philosophie und Meditation veränderten sowohl ihr Leben als auch ihre Kunst tiefgreifend.

Viele ihrer Bilder sind keine Darstellungen der sichtbaren Welt, sondern Spiegelungen einer inneren Wirklichkeit. Anstatt Orte oder Ereignisse abzubilden, erforschen sie Stille, Mitgefühl, Wandlung und das stille Geheimnis des Lebendigseins. Sie laden den Betrachter ein, eine friedlichere innere Landschaft zu betreten.

Von dieser Zeit an begann sie viele ihrer Bilder auch mit dem Namen Radhika zu signieren – dem Namen, unter dem sie in Indien bekannt ist.

Während ihres gesamten Lebens führte Svitlana Tagebücher. Ihre Malerei und ihre Aufzeichnungen gingen immer Hand in Hand – nicht als zwei getrennte Tätigkeiten, sondern als zwei natürliche Wege, das festzuhalten, was das Leben ihr schenkte. Im Laufe der Jahre wuchsen diese Notizbücher ganz selbstverständlich zu einer Sammlung von Geschichten und Gedichten heran, von denen viele Seite an Seite mit ihren Bildern entstanden. Sie mit anderen zu teilen, ergab sich erst viel später – einfach, weil beides zusammengehörte.

Auf die Frage, warum sie male, antwortete sie einmal:

„Ich male nicht, weil ich malen kann. Ich male, weil ich nicht nicht malen kann.“

Und vielleicht beschreibt nichts ihre Arbeit treffender als ihre einfachen Worte:

„Ich male einfach, was aus meinem Herzen kommt.“

Zusammengestellt aus Gesprächen mit der Künstlerin über viele Jahre.